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Speedreading, lesend Zeit sparen

Eva Maria Diendorfer – Wirtschaftsuniversität Wien (Uni-Versum, Ausgabe 1/ Januar 2009)
Wer kennt nicht die Situation, dass einem während dem Lesen von Uni-Büchern (für Prüfungen, Seminararbeiten oder Ähnliches) gleichzeitig vollkommen andere Gedanken durch den Kopf schwirren? (Habe ich den Herd ausgeschaltet? Ob mir Mr. X wohl schon auf mein Mail geantwortet hat? Was muss ich heute alles noch einkaufen? Und vieles mehr).
Der Grund für dieses Phänomen liegt darin, dass beim Lesen nur 25 Prozent unseres Gehirns tatsächlich genutzt werden. Die restlichen 75 Prozent des Gehirns langweilen sich und lenken uns davon ab, uns nur mit dem Gelesenen beschäftigen zu können. Ebenso führen häufi g auftretende Lesefehler zu einem langsameren Lesetempo. Der Begriff der Zeitvergeudung ist wohl zu weit hergeholt, aber dass hier enormes Potential zur Zeitersparnis besteht, ist klar.

Schneller vorwärts durch rückwärts lesen

Bei einem Speedreading-Seminar wird zum Beispiel gelernt, wie mehrere Wörter auf einen Blick erfasst werden können, oder wie eine Zeile vorwärts, die nächste rückwärts oder eine komplette Seite im Zickzack gelesen werden kann. Das wichtigste Instrument dabei ist ein Stift oder ein Finger, der den Augen den Weg weist und so Abschweifungen selbiger vermindert. Durch die erhöhte Geschwindigkeit des Lesens setzt sich der/die Leser/in automatisch intensiver mit dem Text oder dem Buch auseinander und lässt sich nicht so einfach durch aufkeimende unpassende Gedanken ablenken.
Wäre es nicht schön, einen dicken Wälzer mit ungefähr 600 Seiten in vier Stunden durchackern zu können? Klingt zwar unmöglich, ist aber gar nicht so schwer zu schaffen, wenn man die faszinierende Technik des Speedreading beherrscht. Das ist auch der Grund dafür, warum Speedreading extrem anstrengend ist, denn bei dieser Art des Lesens wird ein viel größerer Teil unseres Gehirn-Potentials verwendet. Genau das wiederum bedeutet eine effizientere Nutzung unserer Zeit. Der/die durchschnittliche erwachsene Leser/in schafft es, ungefähr 165 Wörter pro Minute(wpm) zu lesen, was eher niedrig ist, wenn man bedenkt, dass unser Gehirn durchaus in der Lage ist, 800 – 1000 wpm zu verarbeiten.
Durch ein achtstündiges Speedreading-Seminar und zwei Wochen konsequentes Üben ist es möglich, die eigene Lesegeschwindigkeit zu verdoppeln oder sogar zu verdreifachen und trotzdem den Textinhalt gut erfassen zu können. Geübt wird am Besten mit einem Metronom, denn so wird sichergestellt, dass eine gleichmäßig schnelle Geschwindigkeit beibehalten wird. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass einem am Ende des achtstündigen Seminars eine Metronom-Geschwindigkeit von 400 wpm schon ziemlich langsam erscheinen, was am Anfang des Seminars unvorstellbar war.

Rentiert es sich?

Bereitet sich ein/e Student/in zum Beispiel ungefähr 80 Stunden auf eine Prüfung mit einem Lernstoff von 300 Seiten vor (Zusammenfassung schreiben, Text mit Textmarker markieren, Buch lesen etc.), so hätte derjenige/diejenige in dieser Zeitspanne das Buch zirka 40 Mal (Geschwindigkeit von 800 wpm) lesen können. Und seien wir ehrlich: So oft muss niemand ein Buch lesen um den Stoff zu beherrschen. Alles in allem kann Speedreading einem/-r Studenten/-in viel Zeit ersparen und es wäre durchaus sinnvoll, wenn nicht sogar notwendig, derartige Seminare bereits zu Studienbeginn an der Uni für Studierende anzubieten. Denn „mit dem Speedreading ist es wie mit dem Radfahren. Wenn Sie es einmal gelernt haben, beherrschen Sie es ein Leben lang“, so Speedreading-Trainerin Dr. Marion Schultheiss.
Buch "Professional Speed Reading training" von MMag. Dr. Marion Schultheiss

Originalartikel ansehen: UniVersum_Jan09

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